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Von Betty aus dem fernen Amerika...
Also, Baptisten sind Menschen in christlichen Gemeinden, die im Grunde genommen evangelischen Glaubens sind, es aber mit der Taufe etwas anders handhaben. Deswegen heißen sie übrigens auch Baptisten. Das englische Wort “to baptize” kommt ursprünglich aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie untertauchen, also im übertragenen Sinne taufen. Im Englischen wurden die Baptisten dann zu Baptisten, denn das Wort “baptism” heißt auf Englisch “Taufe” und da die Konfession viel mit taufen zu tun hat, wurden so die Baptisten Baptisten.
Die Konfession im Allgemeinen kommt aus Holland (Amsterdam), kam dann nach Deutschland und in die Schweiz, später auch nach Amerika. Mittlerweise ist der Baptismus die zweitgrößte Konfession in den USA bzw. Nordamerika, nach dem Katholizismus. Und was ist jetzt anders mit der Taufe? Die Baptisten sprechen von einer Glaubenstaufe. Das bedeutet, dass man erst getauft wird, wenn man seinen eigenen Willen äußern kann und in dem Alter ist, selbst entscheiden zu können, ob man sich in diesem Glauben taufen lassen möchte oder nicht. Bei ihnen ist nicht die Taufe, sondern der persönliche Glaube an Gott heilsentscheidend. Außerdem stellen sie ihr Kreuz ohne den Corpus Christi dar, da er auferstanden ist.
Jetzt zu einem anderen Thema - die Gestaltung des Gottesdienstes. Da ich im Moment jeden Sonntag eine baptistische Kirche besuche und meine Gastfamilie sehr aktiv in der Kirchengemeinde mitwirkt, möchte ich euch einmal den Gottesdienstablauf darstellen. Zuerst wird ungefähr 15-20 Minuten gesungen. “To worship” - also um den Herren zu preisen, ihm zu danken und ihn zu ehren. Die Lieder sind modern und die Gemeinde wird von einer Band begleitet, die ein Schlagzeug, ein Klavier, eine Gitarre, verschiedene andere Instrumente und natürlich auch Sänger hat. Damit die Gemeinde mitsingen kann, wird an der Wand hinter der Band mit einer PowerPoint-Präsentation der passende Liedtext gezeigt. Nachdem gesungen wurde, geht jedesmal eine Person nach vorne und betet für die gesamte Gemeinde (das Gebet erläutere ich später). Danach werden nochmal 1-2 Lieder gesungen und dann kommt der Pastor nach vorne (in Jeans und Hemd). Er redet über ein bestimmtes Thema, welches sich ungefähr alle 3-4 Wochen ändert und die Gemeinde beteiligt sich. Oft erzählt er Geschichten, die ihm selbst passiert sind oder er nutzt Bibelzitate, um die Situation zu verdeutlichen, macht Witze oder fragt, wer dies oder jenes auch schon einmal erlebt hat.
Ein Thema war z.B. “refuel”, das bedeutet soviel wie Auftanken. Der Pastor gibt Beispiele, Ansätze und Ziele, um das Thema zu verinnerlichen und umzusetzen. Die Predigt dauert normalerweise etwa 30 Minuten. Dann betet der Pastor dafür, dass alle Gemeindemitglieder mit Gottes Hilfe das Thema verinnerlichen und umsetzen können. Dann wird wieder ein Lied gesungen und Schluss! Gottesdienstformen können von Gemeinde zu Gemeinde variieren.
So, jetzt wie versprochen zum Gebet. Die Baptisten haben kein Vaterunser wie wir (sie haben übrigens auch kein Glaubensbekenntnis), sondern sie beten, was ihnen in den Sinn kommt. Ähnlich dem, wenn wir etwas in das Gebet einschließen, bevor wir das Vaterunser beten. Das ist ihr Gebet. Sie achten dabei allerdings sehr darauf, sich auf Gott zu beziehen, also ihm zu danken, ihn zu bitten usw.
Baptismus ist eine Glaubensgemeinschaft mit viel Gemeinschaftssinn und Hilfsbereitschaft. Eine sehr interessante Konfession.
So, das war ́s von mir. Hoffentlich wisst ihr jetzt ein bisschen mehr über eine andere Konfession und habt euer Allgemeinwissen wieder um ein Stückchen erweitert.
Viele Grüße aus Amerika,
eure Betty. |