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Wahr sein. Oft hören wir diese Aufforderung in Predigten oder Geistfreundreden und wir verstehen sie als Aufgabe. In einem zentralen Satz unserer Glaubenslehre heißt es z.B.: „Das eine nehmt mit auf den Weg, dass nichts euch retten kann als die ursprüngliche Wahrheit des Heiligen Geistes. Wahr sein bis in den innersten Kern eurer Seele und eures Geistes, das ist Priestertum der Seele, das ist Priestertum des Heiligen Geistes, welches bei Gott am höchsten steht.
Johannisch werden heißt sich mit den Wahrheiten der Ewigkeit verbinden und aus ihnen die Kraft zum Leben schöpfen.”
Doch was bedeutet das eigentlich - „wahr sein”?
Zuerst fällt uns wahrscheinlich ein, dass es bedeutet ehrlich zu sein, also nicht zu lügen oder zu schwindeln. Doch in der oben hervorgehobenen Stelle scheint es nicht allein darum zu gehen. Wir kennen die Bezeichnung „wahr” vor allem im Zusammenhang mit der Bewertung von Aussagen. Zum Beispiel: „Angeklagte(r), ist es wahr, dass Sie ...” oder „Kreuzen Sie an, wahr oder falsch.” Damit wird abgefragt, ob die Aussagen stimmen, einen zutreffenden Sachverhalt wiedergeben, oder nicht. Doch was hat das mit den Aufträgen an uns zu tun?
Sollen wir zutreffender werden? Wohl eher nicht. Doch stimmiger, damit können wir schon eher etwas anfangen.
Eine andere Sprechweise kann uns dieser Sache noch näher bringen. Wenn wir negativ überrascht sind, uns also etwas entrüstet oder empört, sagen wir schon mal: „Das kann doch nicht wahr sein!” Mitunter sagen wir das, weil wir uns kaum vorstellen können, dass dies oder jenes so sein soll. Wir sind überrascht, weil das mitgeteilte nicht zu unseren Erwartungen passt, oder anders gesagt, nicht mit ihnen übereinstimmt.
Wahr sein, heißt also nicht nur die Wahrheit sagen, sondern stimmig zu sein und aufzutreten. Was man sagt soll zu seinen Taten passen und umgekehrt. Man könnte auch sagen, man soll authentisch und glaubhaft bleiben.
Dieser Auftrag betrifft das ganze Leben. Ich glaube es passt nicht zusammen Sonntags zum Gottesdienst zu gehen und dann bei vielleicht am Montag mit einem Attest die Teilnahme an einer Arbeit zu verhindern, für die man nicht gut vorbereitet ist, obwohl man nicht krank ist. Aus meiner Sicht passt es auch nicht zusammen wenn man für Naturschutz und den Einsatz und Ausbau regenerativer Energien ist, sich jedoch gegen die Fotovoltaikanlage oder das Windrad in der Nachbarschaft stark macht, weil das nicht schön aussieht. Nach dem Motto Umweltschutz ja, aber bitte nicht bei uns.
Wir müssen lernen, dass unsere Taten, unsere Worte und unsere Gedanken (von denen wir wissen, dass sie Gewalten und Gestalten sind) zueinander passen sollen, wenn wir den oft erteilten Auftrag erfüllen wollen: „werdet wahr!”
Johannes Franke. |