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von Johannes Franke
„Unser täglich Brot gib uns heute” - so beten wir es im Optimalfall jeden Morgen und jeden Abend (abends sogar zweimal), denn es ist eine Bitte aus dem Vaterunser. Und das hat auch seinen Grund und seine Berechtigung - oder etwa nicht?
Man könnte ja meinen: „Wenn ich Brot brauche, gehe ich in einen Laden und kaufe es. Menschen, die nicht beten machen das genauso, warum soll ich also darum bitten bzw. dafür beten?”
Doch es hat berechtigte Gründe, dass wir regelmäßig diese Bitte an Gott richten. Zum einen brauchen wir nicht lange zu überlegen, bis uns ein Ort auf dieser Erde einfällt, an dem es nicht selbstverständlich ist, gutes Essen und Getränke, quasi jederzeit und unbegrenzt, zur Verfügung zu haben. In Afrika und Asien gibt es viele Menschen, die an Hunger leiden und nicht ausreichend mit sauberem Trinkwasser versorgt sind. Das soll uns immer wieder daran erinnern, dass nichts selbstverständlich ist und dass wir daher alles wertschätzen und dafür danken sollten.
Zum anderen geht es bei dieser Bitte ja nicht nur um Brot oder Nahrungsmittel im Allgemeinen. Wenn wir bitten: „Unser täglich Brot gib uns heute”, dann schließt das auch die Bitte für unsere geistige Speise mit ein. Also könnte man diesen Satz vielleicht auch in etwa so verstehen: „Lieber Gott, bitte kümmere dich heute um mich und gib mir, was ich brauche.” Mir fällt dazu die Bergpredigt aus der Bibel ein, in der Christus sagt: „Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nährt sie doch. ... Und warum sorget ihr für die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist wie derselben eins. ... Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen, was werden wir trinken, womit werden wir uns kleiden? Nach solchem allem trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr des alles bedürfet.“ Darin steckt großes Vertrauen zu Gott, weil man ihn entscheiden lässt, was man gerade an diesem Tag benötigt. Dabei geht es, wie schon erwähnt, nicht nur um äußerliche Dinge, wie Nahrung oder ein Dach über dem Kopf. Es geht auch um Fähigkeiten oder Aufgaben, die man sich erbittet. Das kann ein offenes Ohr sein, das man benötigt um jemandem zuzuhören, die Kraft etwas Bestimmtes zu tun oder zu lassen, oder auch ein wacher Verstand um etwas zu lernen, und noch vieles mehr.
Vielleicht können uns solche Überlegungen helfen, die alltäglichen Dinge unseres Glaubenslebens bewusster wahrzunehmen. Und wie in diesem Fall einer Bitte des Vaterunsers die Bedeutung und Aufmerksamkeit zuteilwerden lassen, die ihr gebührt. |